FAQ 7: Verabschiedung, Veröffentlichung


Der Prozess zur Bestätigung eines IPCC-Berichts basiert auf einem Dialog zwischen denjenigen, die den Bericht verwenden – den Regierungen – und denjenigen, die ihn schreiben – den Fachleuten in den Schreibteams.

Mit der Bestätigung durch die Regierungen wird der Bericht als eine Bewertung des Sachstandes anerkannt, die nach festgelegten IPCC festgelegten IPCC-Verfahren erstellt wurde.

Durch diesen Prozess wird sichergestellt, dass:

  • die wissenschaftliche Integrität gewahrt bleibt,
  • die politische Relevanz gesichert ist,
  • und die Aussagen von allen Mitgliedstaaten mitgetragen werden.

7.1 Werden alle IPCC-Berichte „verabschiedet“?

Abhängig von der Art des Berichts beziehungsweise dem Berichtsteil erfolgt die offizielle Bestätigung in unterschiedlichen Formen:

Verabschiedung (approval)

  • Wird bei Zusammenfassungen für die politische Entscheidungsfindung (Summary for Policymakers, SPM) angewendet.
  • Die SPM wird dabei in einer Plenarsitzung von den Delegationen der Mitgliedsländer Zeile für Zeile diskutiert und im Konsens verabschiedet.
  • Die Delegierten bringen Änderungswünsche ein, die nur übernommen werden, wenn sie nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren wissenschaftlich korrekt und mit dem zugrunde liegenden Bericht vereinbar sind.
  • Dieser Prozess stärkt die SPM, indem er sicherstellt, dass die SPM-Aussagen so direkt und eindeutig wie möglich sind.

Zustimmung (acceptance)

  • Für den vollständigen Sachstands- oder Sonderbericht.
  • Nachdem die SPM eines Berichts verabschiedet wurde (siehe oben), erkennen die Regierungen durch ihre Zustimmung im Konsens an, dass die SPM, die Technical Summary und die einzelnen Kapitel entsprechend den IPCC-Regeln erstellt wurden und den Stand der Wissenschaft korrekt widerspiegeln.

Annahme (adoption)

  • Für den Synthesebericht (SYR) sowie Übersichtskapitel von Methodikberichten.
  • Der Text wird abschnittsweise diskutiert und im Konsens zwischen den Regierungen und den Kapitelteams angenommen.
  • Auch hier gilt: Änderungen müssen mit der zugrunde liegenden wissenschaftlichen Literatur übereinstimmen.
  • Dieser Prozess stellt sicher, dass der Synthesebericht effektiv Material aus den zugrundeliegenden Beiträgen der Arbeitsgruppen zum Sachstandsbericht und den Sonderberichten des jeweiligen Berichtszyklus integriert. Die SPM eines Syntheseberichts wird, wie oben beschrieben, Zeile für Zeile angenommen.

7.2 Warum sind die Berichte so kompliziert geschrieben?

IPCC-Berichte bestehen aus mehreren Teilen mit unterschiedlichen Funktionen und Zielgruppen und entsprechend unterschiedlicher Sprache.

Die ausführlichen Kapitel von IPCC-Berichten enthalten wissenschaftliche Texte. Sie richten sich weniger an die breite Öffentlichkeit als vielmehr an entsprechende Fachleute. Um Unsicherheiten, Wahrscheinlichkeiten und verschiedene Forschungsperspektiven korrekt darzustellen, sind differenzierte und oft technische Formulierungen notwendig. Jeder Satz muss durch die zugrundeliegende Literatur gedeckt und überprüfbar sein.

Der vermutlich meistgelesene Teil der Berichte ist die jeweilige Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (Summary for Policymakers, SPM). Die SPM gibt auf wenigen zig Seiten den Inhalt vieler Kapitel von mehreren hundert Seiten wieder und wendet sich besonders an Regierungen sowie an Fachleute aus Verwaltung, Forschung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Sie soll prägnant die Erkenntnisse des ausführlichen Berichts widerspiegeln. SPM-Texte werden in mehreren Runden von Fachleuten und von Regierungen begutachtet (siehe FAQ 6) und schließlich Satz für Satz im Konsens von den Regierungsdelegierten bei einer Plenarsitzung verabschiedet (siehe FAQ 7.1). Dabei achten die Delegierten vor allem auf vollständige und ausgewogene Aussagen. Es dürfen nur Informationen aus dem zugrundeliegenden Bericht genutzt werden. Außerdem sollen die Texte für alle Weltregionen und politischen Systeme gleichermaßen gültig und anschlussfähig sein. Das erfordert neutrale und allgemein verständliche Begrifflichkeiten. Die beteiligten Autorinnen und Autoren haben dabei das letzte Wort, denn sie entscheiden, ob die von den Regierungen vorgeschlagenen Formulierungen wissenschaftlich korrekt sind.

Viele Formulierungen sind also das Ergebnis intensiver Abstimmungen im internationalen Schreibteam und mit den Regierungen. Das trägt zu einer formalisierten Sprache bei, wobei die sprachliche Eleganz und der Lesefluss zuweilen leiden.

Die deutsche Übersetzung muss den genauen Wortlaut des englischsprachigen Originals erhalten, was die Formulierungen oft zusätzlich sperrig wirken lässt.

Für einen kurzen Einstieg in die Erkenntnisse eines Berichts sind die auch für Laien verständlich verfassten Häufig gestellten Fragen & Antworten (Frequently Asked Questions, FAQs) der Kapitel geeignet. Auch die Erläuterungen im Glossar helfen für ein besseres Verständnis des Inhalts. Beide werden auch von uns ins Deutsche übersetzt und kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Für interessierte Laien empfiehlt sich eine Lektüre der „Technical Summary“. Sie beruht auf den Executive Summaries der einzelnen Kapitel und beschreibt die Erkenntnisse des Berichts ausführlicher als in der SPM in eher fachlicher Sprache.

7.3 Welchen Einfluss haben Regierungen auf die Berichte?

Die Regierungen der IPCC-Mitgliedsländer sind in mehreren Phasen der Berichtserstellung beteiligt:

  • Sie entscheiden per Plenarbeschluss über die Gliederung (outline) und damit über die Themenbereiche der Berichte (siehe FAQ 5.1).
  • Mitgliedsländer können Fachleute zur Mitarbeit in den Schreibteams nominieren (siehe FAQ 9.3).
  • Während der Erstellung der Berichte haben die Regierungen in einer Begutachtungsphase die Möglichkeit die Berichte zu kommentieren. In einer weiteren Begutachtungsphase können die Regierungen die Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (Summary for Policymakers, SPM) kommentieren (siehe FAQ 6). Bei den Begutachtungen wird insbesondere auf eine möglichst umfassende, transparente und ausgewogene Darstellung des aktuellen Wissensstands zu den vorgegebenen Themenbereichen geachtet.
  • Die Delegationen der IPCC-Mitgliedsländer verabschieden in einer Plenarsitzung die SPM im Konsens. Dabei können Formulierungen bearbeitet werden, bis alle Delegationen dem Text zustimmen. Den Autorinnen und Autoren steht dabei jedoch das Vetorecht zu: Wenn eine Formulierung durch die Bearbeitung nicht mehr dem im zugrundeliegenden Bericht dargestellten wissenschaftlichen Sachstand entspricht, kann sie nicht verwendet werden. Der zugrundeliegende Bericht wird dabei nicht geändert, sondern höchstens im Nachgang auf Konsistenz mit der SPM hin angepasst.

7.4 Was macht der IPCC, wenn Fehler in einem veröffentlichten Bericht auffallen?

Der IPCC hat ein klar definiertes Verfahren für den Fall, dass ein Fehler in einem veröffentlichten Bericht vermutet wird – das sogenannte „Fehlerprotokoll“ (Error Protocol). Dieses Verfahren legt fest, wie der potenzielle Fehler untersucht und gegebenenfalls korrigiert werden soll.

Das Fehlerprotokoll dient ausschließlich der Korrektur von Tatsachen- oder Genauigkeitsfehlern, die angesichts der zum Zeitpunkt der Erstellung des Berichts verfügbaren Informationen hätten vermieden werden können. Nicht zulässig sind daher:

  • Änderungen, die auf neuen Erkenntnissen oder wissenschaftlichen Informationen basieren, die nach dem Literatur-Stichtag verfügbar wurden.
  • Berücksichtigung zusätzlicher Quellen (außer sie sind direkt relevant für einen Tatsachen- oder Genauigkeitsfehler).
  • Neuinterpretationen der im Bericht dargelegten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Informationen.

Berichte über potentielle Fehler werden gemäß Fehlerprotokoll an das IPCC-Sekretariat geschickt, wo sie in ein internes Fehlerverfolgungssystem eingepflegt werden. Je nach Art/Teil des Berichts, in der/dem der Fehler gefunden wurde, variieren die notwendigen weiteren Schritte.

Über die erforderlichen Maßnahmen entscheiden in der Regel die derzeitigen Ko-Vorsitzenden und der Vorstand der betroffenen Arbeitsgruppe bzw. Task Force. Wurde der Fehler in einem Synthesebericht gemeldet, entscheidet die/der IPCC-Vorsitzende gemeinsam mit dem IPCC-Vorstand. Die zuständigen Koordinierenden Leitautorinnen und -autoren des Berichts, der den mutmaßlichen Fehler enthält, werden gegebenenfalls einbezogen, ebenso wie die früheren Ko-Vorsitzenden und die/der frühere IPCC-Vorsitzende bei mutmaßlichen Fehlern in Produkten aus früheren Berichtszyklen. Kann in einem Fall keine Konsensentscheidung gefunden werden, ernennt die/der IPCC-Vorsitzende einen unabhängigen Prüfungsausschuss, der den gemeldeten Fehler bewertet. Dieser Ausschuss muss aus mindestens drei Fachleuten bestehen, die nicht an der Erstellung des Materials beteiligt waren, für das der Fehler gemeldet wurde.

Ist man sich einig, dass der gemeldete Fehler korrigiert werden muss, wird ein Erratum verfasst und auf der IPCC-Webseite sowie auf der Webseite der entsprechenden Arbeitsgruppe bzw. Task Force veröffentlicht. Die Person, die den Fehler gemeldet hatte, wird nach Abschluss des Verfahrens vom IPCC-Sekretariat informiert.