FAQ 6: Der IPCC-Begutachtungsprozess


Die Berichte des IPCC durchlaufen im Erstellungsprozess mehrere Begutachtungsphasen, um eine möglichst umfassende, transparente und ausgewogene Darstellung des aktuellen Stands der Wissenschaft in Bezug auf den Klimawandel zu gewährleisten. Dabei werden sowohl externe Fachleute als auch Regierungen systematisch einbezogen.

6.1 Wie funktioniert der IPCC-Begutachtungsprozess?

Der Prozess im Überblick:

Die Schreibteams erstellen auf Grundlage der aktuellen Fachliteratur und anderer Quellen einen ersten Berichtsentwurf (first order draft, FOD).

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Erste Begutachtungsphase:
Dieser Entwurf wird durch Fachleute weltweit kommentiert. Die Teilnahme ist offen für alle Interessierten mit nachgewiesener Fachkompetenz.

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Die Kommentare werden von den Autorinnen und Autoren ausgewertet und in einen zweiten Entwurf (second order draft, SOD) eingearbeitet. Parallel entsteht der erste Entwurf der Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (Summary for Policymakers, SPM).

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Zweite Begutachtungsphase:
In dieser Phase können die externen Fachleute ein weiteres Mal den Bericht, nun inklusive SPM, fachlich prüfen. In einem parallelen Prozess begutachten die Regierungen der Mitgliedsstaaten die Entwürfe.

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Auf Basis der eingegangenen Rückmeldungen erstellen die Schreibteams den finalen Entwurf sowie einen zweiten Entwurf der SPM.

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Finale Regierungsbegutachtung
In einer abschließenden Runde wird die SPM zur Begutachtung nur an die Regierungen verteilt. Den finalen Entwurf des gesamten Berichts erhalten sie zur Ansicht.

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Letzte Überarbeitung des SPM-Entwurfs und Verabschiedung.

 

Alle Begutachtungskommentare, die während dieses Begutachtungsprozesses eingereicht werden, werden von den Kapitelteams bedacht und mit einer schriftlichen Antwort versehen. Zwei bis vier Begutachtungseditoren (Review Editors) pro Kapitel des Berichts sind für die angemessene Berücksichtigung aller eingehenden Kommentare zuständig. Ihre Aufgabe besteht zudem darin, für die angemessene Darstellung aller wissenschaftlich relevanten Kontroversen und Perspektiven im Bericht zu sorgen.

Während der Erstellung und Begutachtung sind alle Entwürfe vertraulich zu behandeln. Nach der Veröffentlichung des Berichts werden sowohl die zuvor begutachteten Entwurfsversionen als auch alle Kommentare inklusive der entsprechenden Antworten öffentlich zugänglich gemacht. So ist die Entstehung des endgültigen Textes transparent nachvollziehbar.

Die Begutachtung von Syntheseberichten verläuft in einem kürzeren Verfahren, da die Inhalte des Syntheseberichts auf den Inhalten zuvor angenommener Berichte basieren.

6.2 Welche Teile des Berichts soll ich als Fachgutachterin/-gutachter überprüfen?

Da ein IPCC-Bericht mehrere hundert Seiten umfassen kann, ist es für Einzelne kaum möglich, den gesamten Text im Detail zu prüfen. Daher wird empfohlen, sich bei der Begutachtung auf bestimmte Abschnitte zu konzentrieren – zum Beispiel:

  • Fachlich relevante Kapitel oder Abschnitte, zu denen Sie besonderes Wissen oder Erfahrung mitbringen
  • Regionale Aspekte, die Ihre eigene Region oder Ihr Arbeitsgebiet betreffen
  • Zusammenfassungen – sind diese verständlich und ausgewogen formuliert?:
    • die Executive Summaries
    • die Technical Summary
    • die Frequently Asked Questions (FAQs)
    • die Summary for Policymakers (SPM)

Hinweis:
Kommentieren Sie aus Ihrer wissenschaftlichen Perspektive. Belegen Sie Ihre Hinweise möglichst mit Literaturverweisen. So tragen Sie zur Qualität, Vielfalt und Ausgewogenheit der Berichte bei.

6.3 Was ist inhaltlich und formal bei der Fachbegutachtung zu beachten?

Bei der Begutachtung eines IPCC-Berichts sind sowohl inhaltliche als auch formale Aspekte von Bedeutung. Folgende Fragen können Sie bei der Prüfung leiten:

Inhaltliche Kriterien:

  • Vollständigkeit:
    Werden alle relevanten Themen im jeweiligen Kapitel behandelt? Gibt es Lücken oder wichtige Aspekte, die fehlen?

  • Genauigkeit:
    Entsprechen die Aussagen dem aktuellen Stand der Wissenschaft? Gibt es sachliche Fehler oder verzerrte Darstellungen?

  • Vielschichtigkeit:
    Werden unterschiedliche Perspektiven und methodische Ansätze berücksichtigt? Fehlen integrative Betrachtungen (zum Beispiel bei Querschnittsthemen)?

  • Relevanz für Entscheidungsträger*innen:
    Sind zentrale Aussagen klar und nachvollziehbar formuliert – insbesondere in den Zusammenfassungen?

 

Formale Kriterien:

  • Verständlichkeit:
    Ist die Sprache klar und nachvollziehbar – auch für Leserinnen und Leser außerhalb des jeweiligen Fachgebiets?

  • Vermeidung von Fachjargon:
    Können komplexe Begriffe verständlicher formuliert oder erklärt werden?

  • Quellenlage:
    Wurde wichtige Literatur berücksichtigt? Falls nicht: Welche Studien sollten ergänzt werden? (siehe auch FAQ 2.2)

Die IPCC-Arbeitsgruppen geben für Begutachtungsphasen oft eine „Expert Review Guidance Note“ heraus. Bitte orientieren Sie sich zusätzlich an diesen Empfehlungen.

6.4 In welchem Stil sollten Kommentare verfasst werden?

Kommentare zum IPCC-Bericht sollten stets konstruktiv, sachlich und hilfreich formuliert sein. Ziel ist es, die wissenschaftliche Qualität und Verständlichkeit des Berichts zu verbessern – nicht redaktionelle Detailkorrekturen ohne Relevanz vorzunehmen. Konkrete Änderungsvorschläge und Literaturverweise erleichtern dem Kapitelteam die Umsetzung Ihrer Anregung. Beachten Sie, dass Ihre Kommentare nach der Verabschiedung des Berichts öffentlich gemacht werden.

Grundregeln für Kommentare:

  • Höflich und respektvoll:
    Kritik sollte stets sachbezogen und lösungsorientiert sein.

  • Fokussiert auf Inhalt:
    Kommentieren Sie Aussagen, Argumentationen, Daten oder Interpretationen – keine Formatierungen oder kleinere stilistische Fragen (sofern nicht inhaltlich relevant).

  • Begründet und belegt:
    Substantielle Änderungswünsche sollten nach Möglichkeit mit wissenschaftlicher Literatur oder fundierter Fachkenntnis gestützt werden.

  • Präzise Formulierungen:
    Nennen Sie die genaue Textstelle (Kapitel, Absatz, Zeile) und machen Sie einen klaren Vorschlag zur Änderung oder Ergänzung.

 

Geeignete Kommentartypen:

  • Hinweis auf sachliche Fehler, Missverständnisse oder methodische Schwächen
  • Bitte um Klarstellung oder präzisere Formulierung
  • Ergänzung wichtiger Literatur
  • Vorschlag für alternative oder verständlichere Darstellung