Die Erstellung eines IPCC-Berichts ist ein mehrstufiger, international koordinierter Prozess mit klar definierten Regeln.
5.1 Wie werden IPCC-Berichte erstellt?
Die wichtigsten Schritte für Sachstands-, Sonder- und Methodikberichte sind:
- Scoping (Abgrenzung des Themas):
Das IPCC-Plenum beschließt zunächst, zu welchem Thema ein Bericht erstellt wird. In einem sogenannten Scoping Meeting wird anschließend eine vorläufige Gliederung erarbeitet – unter Einbindung von Fachleuten aus der Wissenschaft, Regierungen und von weiteren relevanten Akteuren. - Beschluss der Gliederung:
Die vorgeschlagene Kapitelstruktur wird vom Plenum diskutiert, eventuell angepasst und dann formal beschlossen. Sie bildet die Grundlage für die Berichterstellung. - Zusammenstellung der Kapitelteams:
Auf Basis der Gliederung werden Koordinierende Leitautorinnen/-autoren (Coordinating Lead Authors), Leitautorinnen/-autoren (Lead Authors) und Begutachtungseditorinnen/-editoren (Review Editors) für die einzelnen Kapitel nominiert und ausgewählt. Siehe auch FAQ 4. - Erstellung und Überarbeitung der Entwürfe:
- Erster Entwurf: Erstellung durch die Kapitelteams auf Basis der verfügbaren Fachliteratur.
- Erste Begutachtung: Externe Fachgutachterinnen und -gutachter kommentieren den Entwurf. Siehe auch FAQ 7.
- Zweiter Entwurf des Berichts & erster Entwurf der Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung (Summary for Policymakers, SPM): Nach Einarbeitung der Kommentare folgt eine zweite Begutachtungsrunde – jetzt durch Fachgutachterinnen/-gutachter und Regierungen. Auch der erste Entwurf der SPM wird in dieser Runde begutachtet.
- Final Government Distribution: Nach Einarbeitung der Kommentare folgt eine weitere Begutachtungsrunde der SPM nur durch Regierungen.
- Letzte Überarbeitung: Finalisierung der Entwürfe für die Verabschiedung.
- Verabschiedung:
Die Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung wird in einer Plenarsitzung Satz für Satz gemeinsam mit den Regierungen diskutiert und verabschiedet (approved). Die Autorinnen und Autoren haben dabei Vetorecht bei wissenschaftlich inkorrekten Vorschlägen. Der vollständige Bericht wird anschließend vom Plenum angenommen.
Für Syntheseberichte gelten leicht andere Regelungen.
Dieser Prozess stellt sicher, dass IPCC-Berichte sowohl wissenschaftlich fundiert als auch international legitimiert sind.
5.2 Auf welcher Basis beruhen IPCC-Berichte?
Der IPCC erhebt keine eigenen Daten, sondern stützt sich auf bereits veröffentlichte Literatur. Die Schreibteams nutzen in vollem Umfang die international verfügbare Literatur, die in peer-reviewed-Zeitschriften veröffentlicht wurde. Peer-review ist ein übliches Verfahren in der Wissenschaft, bei der Artikel vor der Veröffentlichung von unabhängigen Expertinnen und Experten geprüft werden.
Im Zeitplan für die Erstellung jedes Berichts werden Stichtage festgelegt, bis zu denen Artikel von wissenschaftlichen Zeitschriften mit peer-review zur Veröffentlichung eingereicht (submission cut-off date) beziehungsweise angenommen (acceptance cut-off date) sein müssen, wenn sie in den aktuellen Bericht aufgenommen werden sollen. Die Stichtage stellen sicher, dass möglichst aktuelle Forschungsergebnisse in den Bericht einfließen können, die Kapitelteams jedoch auch genug Zeit haben, die Literatur ausreichend zu bewerten.
Zusätzlich werden auch andere Quellen herangezogen, wenn sie relevante Informationen liefern – sogenannte „Graue Literatur“. Das sind beispielsweise Berichte von Regierungen, aus der Industrie und von Forschungseinrichtungen, internationalen und anderen Organisationen sowie Konferenzberichte. Oft finden sich insbesondere dort Informationen über Erfahrungen und Praktiken von Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen. Die Qualität und Aussagekraft dieser Quellen müssen die Autorinnen und Autoren aufgrund der fehlenden unabhängigen Qualitätssicherung besonders umsichtig beurteilen.
Während des Begutachtungsprozesses wird Literatur, die nicht allgemein zugänglich ist, den Gutachterinnen und Gutachern zur Verfügung gestellt. Alle Quellen werden im Bericht zitiert und im Literaturverzeichnis aufgeführt.

