Wie die IPCC-Berichte erstellt werden


Eine graphische Darstellung des Prozesses zur Berichtserstellung, beginnend mit dem Scoping-Prozess und endend mit der Verabschiedung des Berichts.

Entstehung von IPCC-Berichten. Grau: Beiträge von Regierungen. Blau: Wissenschaft. Zweifarbig: gemeinsame Prozesse.


Der Scoping-Prozess

Zunächst schlagen Mitgliedstaaten und Beobachterorganisationen Themen vor, und das Plenum beschließt, zu welchen dieser Themen Berichte erstellt werden sollen. Daraufhin schlagen der/die Vorsitzende des IPCC, wissenschaftliche Fachleute sowie politische Entscheidungsträger und -trägerinnen sowie andere Nutzerinnen und Nutzer von Klimawissen konkrete Fragestellungen für diese Berichte vor. Damit wird eine große Bandbreite an möglichen Bedarfen abgefragt. Fachleute erstellen auf einem sogenannten „Scoping Meeting“ Gliederungsentwürfe, auf dessen Grundlage das Plenum die Struktur der Berichte (das Outline) beschließt.

Die Autorenteams

Anschließend wird für jedes Kapitel ein Team aus Autorinnen und Autoren zusammengestellt. Dazu nominieren Regierungen und Beobachterorganisationen Kandidatinnen und Kandidaten, aus denen der Vorstand auswählt. Wichtigstes Kriterium ist dabei die wissenschaftliche Expertise. Darüber hinaus sollen die Mitglieder der Autorenteams unterschiedliche fachliche Zugänge zum Thema haben, also aus unterschiedlichen Forschungsdisziplinen, aus der Anwendung oder aus Stakeholder-Organisationen mit nachgewiesener wissenschaftlicher Expertise kommen. Außerdem müssen verschiedene Weltregionen und Geschlechter vertreten sein, so dass die Zusammensetzung der Teams ausgewogen ist. Je nach Umfang arbeiten zwischen etwa 100 und 250 Fachleute federführend an einem Bericht, dazu kommen viele weitere, die zu spezifischen Einzelfragen hinzugezogen werden.

Der Schreibprozess

Der IPCC forscht nicht selbst; stattdessen nutzen Autorinnen und Autoren bereits veröffentlichte Erkenntnisse, möglichst aus wissenschaftlich begutachteten Fachzeitschriften. Andere Veröffentlichungen, die nicht bereits in unabhängigen Gutachten bestätigt wurden - sogenannte "graue Literatur" - zum Beispiel von Behörden oder internationalen Organisationen, werden besonders sorgfältig geprüft. Das Team arbeitet konsensorientiert, muss sich also auf die Darstellung und wissenschaftliche Bewertung des Sachstands einigen. Konträre Ansichten, Wissenslücken und Unsicherheiten werden im Bericht klar dargestellt (siehe Handreichung zur Formulierung von Vertrauensangaben und Unsicherheiten für Autor*innen).

Das mehrstufige Begutachtungsverfahren ist essenzieller Bestandteil der Berichtserstellung:

  • Die erste Begutachtung erfolgt ausschließlich durch wissenschaftliche Fachleute, die sich auf einen öffentlichen Aufruf hin selbst online registrieren. Dieser Aufruf wird auch über den Verteiler der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle verbreitet. Es melden sich für jeden Bericht viele hundert, teilweise über tausend Fachgutachterinnen und Fachgutachter.
  • Bei der zweiten sind wissenschaftliche Fachleute und zudem die Regierungen der Mitgliedstaaten beteiligt.
  • Die letzte Runde stellt die finale Begutachtung der Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger dar, welche nur noch durch Regierungsexpertinnen und -experten durchgeführt wird. Den finalen Entwurf des Gesamtberichtes erhalten sie dabei zur Kenntnis.

Weder Mitglieder der Autorenteams noch die begutachtenden Personen werden für ihren Beitrag zusätzlich bezahlt.

Das Verfahren ist so komplex gestaltet, um möglichst objektiv, offen und transparent zu sein und so viele unabhängige Fachleute wie möglich zu involvieren, damit eine große Bandbreite an Sichtweisen und Expertisen repräsentiert ist.

Pro Bericht gehen zehntausende Kommentare aus aller Welt ein. Zwei bis drei Begutachtungseditorinnen und -editoren („Review Editors“) für jedes Kapitel stellen sicher, dass die Autorenteams alle Kommentare angemessen beachten. Dabei müssen sie ihr Vorgehen schriftlich begründen. Zur Unterstützung bei der Erstellung der IPCC-Sachstandsberichte, für die Planung eines IPCC-Berichts oder für die Beratung des Ausschusses z. B. über die Notwendigkeit eines Sonderberichts, können Tagungen und Expertentreffen abgehalten werden. Der IPCC kann auch Tagungen gemeinsam mit anderen Akteuren veranstalten, wenn Inhalte und Ergebnisse der Arbeit des IPCC nutzen. Vergangene Treffen sind auf der Webseite des IPCC dokumentiert.

Die Verabschiedung und Veröffentlichung

Als letzten Schritt der Berichtserstellung werden die Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger auf mehrtägigen Plenarsitzungen Satz für Satz von den Mitgliedsregierungen verabschiedet. Das Plenum achtet vor allem darauf, dass die Aussagen vollständig, verständlich und ausgewogen sind. Es dürfen nur Informationen genutzt werden, die auch im Gesamtbericht enthalten sind. Die Autorenschaft entscheidet, ob die von den Regierungen vorgeschlagenen Umformulierungen richtig sind, so dass die wissenschaftliche Korrektheit sichergestellt bleibt. Bei strittigen Formulierungen wird solange nach einer Lösung gesucht, bis alle Mitgliedsstaaten einverstanden sind. Dadurch ziehen sich die Verhandlungen oft bis in die frühen Morgenstunden. Ist die SPM verabschiedet, stimmt das Plenum dem Gesamtbericht einschließlich SPM formell zu. Durch dieses Verfahren erkennen die Regierungen die wissenschaftlichen Aussagen der IPCC-Berichte offiziell an.

Nach Veröffentlichung des Berichts werden alle Unterlagen der Erstellungs- und Begutachtungsphasen auf der IPCC-Website veröffentlicht, so dass die Entstehung eines Berichts für die Öffentlichkeit in allen Details nachvollziehbar ist.


Detaillierte Informationen über die Verfahren des IPCC sind auf IPCC procedures (englisch) zu finden.

Weitere Informationen zu den Berichten sowie über die Regeln, unter denen die Produkte des IPCC verwendet werden dürfen (Nutzungsrechte) finden Sie auf der Seite IPCC-Berichte.